„Wenn man aber die Natur selbst betrachtet, sieht man, daß sie weder Verstand noch Willen besitzt. So liegt es zum Beispiel in der Natur des Feuers, daß es brennt, und es tut dies ohne Willen und Verstand; die Natur des Wassers ist, daß es fließt, und es tut dies ohne Willen und Verstand; die Natur der Sonne ist, daß sie leuchtet, auch sie leuchtet ohne Willen und Verstand; die Natur des Dampfes ist, aufzusteigen, und er steigt ebenso ohne Willen und Verstand auf. Damit ist klar erwiesen, daß alle natürlichen Bewegungen der erschaffenen Dinge zwangsläufige Vorgänge sind und sich nichts nach eigenem Willen bewegt, mit Ausnahme des Tieres und vor allem des Menschen. Der Mensch vermag sich der Natur zu widersetzen und von ihren Wegen abzuweichen, weil er die Struktur der Dinge entdeckt hat und damit den Kräften der Natur gebietet. Alle Erfindungen, die er gemacht hat, beruhen auf der Entdeckung der Struktur der Dinge. So hat er zum Beispiel die Telegraphie erfunden, die Ost und West verbindet. Darum sehen wir deutlich, daß der Mensch die Natur beherrscht. Kann nun, bei dieser systematischen Ordnung und Gesetzmäßigkeit, die man im ganzen Dasein erkennt, gesagt werden, dies alles sei aus dem Wirken der Natur heraus entstanden, obwohl sie selbst weder Verstand noch Wahrnehmungsvermögen besitzt? Dies zeigt uns deutlich, daß diese Natur, die weder Verstand noch Einsicht hat, in der Hand des Allmächtigen ruht und daß Er das Reich der Natur regiert und in ihr alles, was Er will, erscheinen läßt.
'Abdu'l-Bahá
„O ihr beiden gesegneten Seelen! Eure Briefe sind angekommen. Sie zeigten, daß ihr nach der Wahrheit forscht und euch freigemacht habt von Nachahmung und Aberglauben, daß ihr mit eigenen und nicht mit fremden Augen schaut, mit eigenen und nicht mit fremden Ohren hört, daß ihr Geheimnisse mit eigenem und nicht mit fremdem Bewußtsein entdeckt. Wer nachahmt, sagt: Dieser Mensch hat etwas gesehen, dieser Mensch hat etwas gehört, dieser Mensch hat etwas entdeckt. Mit anderen Worten, er hängt von der Sicht, dem Gehör und dem Bewußtsein anderer ab und besitzt keinen eigenen Willen. Preis sei Gott, denn ihr habt Willenskraft bewiesen und euch der Sonne der Wahrheit zugewandt. Die Gefilde eurer Herzen hat der Herr mit dem Licht des Königreichs erleuchtet; ihr wurdet auf den geraden Pfad geführt und geht die Straße, die zum Reich Gottes führt. Ihr habt das Paradies Abhá betreten und euren Anteil erlangt an der Frucht vom Baum des Lebens.
'Abdu'l-Bahá
„In der Welt des Seins ist das Tier ein Gefangener der Natur. Sein Verhalten richtet sich nach den Zwängen und Bedingungen der Natur. Es hat weder Bewusstsein noch Verständnis für Gut und Böse. Es folgt einfach seinem natürlichen Instinkt und seiner Neigung. Die Propheten Gottes sind gekommen, um dem Menschen den Weg der Rechtschaffenheit zu zeigen, damit er nicht seinem natürlichen Trieb folgt, sondern sein Handeln vom Licht Ihrer Gebote und Ihres Beispiels leiten lässt. Entsprechend Ihrer Lehren sollte der Mensch das tun, was nach der Maßgabe der Vernunft und dem Urteil des Verstandes als lobenswert erachtet wird, selbst wenn es seiner natürlichen menschlichen Neigung widerspräche. Er sollte nichts tun, was nach diesem Maßstab für unwürdig befunden wird, auch wenn es seinem natürlichen Impuls und seinem Verlangen entspräche. Deshalb muss der Mensch den Eigenschaften des Barmherzigen folgen und sie verwirklichen.
'Abdu'l-Bahá